Bosse

Bosse, Reitponymix geb. 26.5.2000

Bosse ist der Held der Familie. Am 26. Mai 2000 bei strahlendem Wetter wurde er um zehn Uhr morgens auf unserer Koppel geboren. Für Mama Josephine war es eine schwere Geburt, denn sie selber maß nur 1,30 m und Bosses Papa war ein gekörter Reitpony Hengst im Endmaß. Bosse hat heute ein Stockmaß von ca 1,42m.
Er war ein ungeplantes Kind der Liebe, niemand wäre wohl auf die Idee gekommen mit Josephine zu züchten. Geliebt und entzückend wie sie war (und noch ist), bot sie keine züchterisch interessanten Merkmale. Zwar hübsch, hatte sie keinerlei sportliche Bewegung. Dafür aber einen mächtigen Dickkopf und die Angewohnheit los zu galoppieren und ihre jungen Reiter abzusetzen…

Bosse erbte von beiden Eltern nur das Gute. Einzig Mamas unglaubliche Steifheit und die damit verbundenen Schwierigkeiten im Training blieben ihm nicht erspart. Aber ihre guten Nerven hat er zumindest auch.
Als Fohlen erlitt er eine Vergiftung (Eicheln)und wäre beinahe gestorben. Und seine Mama hatte nur knapp 5 Monate Milch für ihn. Sie war etwas überfordert. Aber er wurde doch groß, stark und gesund.

Beinahe hätten wir unseren Bosse als Jährling abgegeben, ein gütiges Geschick bewahrte uns davor.
Mit drei Jahren longierten wir ihn und da wir damals einige leichte und sportliche Kinder hier hatten, wurde er bald angeritten.
Er lief wie ein Besenstil. Absolut steif und unfähig sich auch nur im Genick zu stellen, geschweige denn zu biegen.

Vierjährig übernahm Anna-Katharina Bosse als ihr Pony. Anna-Katharina war damals neun und manchmal noch überfordert. Ich ritt Bosse begleitend und wir gaben beide alles… Ich wünschte heute, wir hätten damals schon die TTEAM Ausbildung gehabt. Wir hätten Bosse anders unterstützen können.
Anna-Katharina wollte mit Bosse gerne in den Westernsport. Um mich in diesem Thema besser einarbeiten zu können, fuhren wir auch zu anderen Trainern. Wir waren aufgeschlossen und interessiert.

Bosse war noch immer steif, galoppierte ungern und lief oft wie ein Kamel. Aber er gab sich Mühe. Manchmal noch übermütig und für Anna etwas viel Pony, hängte er doch sein ganzes Herz an die Familie und brachte sich voll und ganz ein.
Schon in ihrem ersten gemeinsamen Jahr sammelten Anna-Katharina und Bosse Schleifen auf Turnieren. Anna-Katharina war ihrem Pony kräftemäßig in keinster Weise gewachsen. Manchmal mußte ich Bosse mit abreiten, denn der wurde immer stärker und munterer. Das es dem Pony so schwer fiel den Hals locker zu senken und im Genick nachzugeben machte uns Sorgen. Ein Westerntrainer riet: „Bindet ihn mit den Zügeln unter dem Bauch aus, dann lernt er wo er den Kopf hinhalten muß!“ Ich sagte: „Das kann man nicht machen, er würde sich außerdem überschlagen.“ Darauf der Trainer: „Ja und? Dann versteht er es aber.“
Das war eine unfassbar unfaire Trainingsmethode die tatsächlich in manchen Ställen praktiziert wird. Ich fände es auch nicht lustig, wenn man mich mittels Seilzügen dehnen würde. Muskelfaserrisse wären neben den Schmerzen wohl die geringsten Verletzungsmöglichkeiten…

Statt dessen ritten wir Bosse meist zweimal täglich und ansonsten war er mit anderen Pferden draußen. Wir dehnten ihn mittels gymnastizierender Übungen, wir ließen ihn von der Ostheopatin behandeln, wir longierten, arbeiteten mit Stangen. Bosse sah mit 6 Jahren aus wie ein Bodybuilder und nun konnte Anna-Katharina das Training fast alleine managen. Die beiden ritten im Rekord erfolgreich durch alle Leistungsklassen. Bis zur LK 1. Sie wurden ins Bundesjugendcamp eingeladen, sie ritten einmal für die Mannschaft Niedersachsen auf den German Open mit.
Bosse sammelte Pokale.

Dann aber, in der LK 2 und besonders der höchsten Leistungsklasse 1, merkten wir, dass Bosse müde wurde. Er gab immer noch alles, ein Kämpferherz für seine Menschen. Aber das Leuchten ließ nach. Die Begeisterung. So weit waren wir gekommen, Bosse war ein Profi im Trail, in der Pleasure und der Horsemanship und selbst in der Reining hatte er Platzierungen ergattert. Er sah aus wie ein muskelbepacktes kleines Quarter. Aber die Anforderungen der höheren Klasse, der enorme Trainingsaufwand den ein von Natur aus steifes Pferdchen dafür benötigte, forderten ihren Tribut.
Manchesmal brachen wir einfach ab und ließen die letzte Prüfung ausfallen. Und schließlich sagte Anna-Katharina, dass es nun genug sei. Wir beendeten Bosses Turnierkarriere.

Nach einer längeren Pause, in der Bosse sein Leben genoss und bereits begann im Unterricht sein Können für Reitschüler einzusetzen, folgte Sophia-Marie, die fast vier Jahre jünger ist als ihre Schwester, und setzte mit Bosse ihre Turnierkarriere fort. Angefangen hatte sie erfolgreich bis LK 3 auf ihrem kleinen smarten Welsh-Pony Ivi. In der Größe zu ihr passend, hatte sie Ivi selbstständig trainiert und vorgestellt. Jetzt wurden Sophias Beine zu lang und so startete Bosse ein zweites Mal eine erfolgreiche Turnierlaufbahn. Während Ivi (heute 19 Jahre und ein munterer Kerl) sich mit seinen Ponyfreunden amüsierte, nahmen Bosse und Sophia das Training wieder auf. Und wieder kamen die Pokale. Hatte Anna-Katharina mit Bosse eine Pleasure Leistungsmedaille errungen, sorgte Sophia-Marie nun für die Medaille im Trail.

Aber auch diese Beiden kamen an Bosses Grenzen. Und als es in die LK 1 gehen sollte, beendete auch Sophia-Marie die Turnierlaufbahn für Bosse. Man soll aufhören wenn es am schönsten ist.

Heute ist Bosse Professor in Sachen Reitunterricht. Die Lektionen sitzen im Schlaf, er kennt die Menschen und liebt sie. Er macht alles mit, vom Gelände bis Halsring reiten ohne Sattel.

Niemals krank gewesen, zog er sich im Sommer 2014 eine so schlimme Seitenbandzerrung zu, dass wir dachten, er würde nie wieder gesund werden.
Diagnose per MRT, Eigenblutbehandlung und weitere Therapien, alles wurde versucht. Wir mussten unser armes Pony ein dreiviertel Jahr in einem gepflasterten Paddock isolieren. Er durfte sich nur kontrolliert im Schritt bewegen. Bis zu seiner Heilung dauerte es ein ganzes Jahr. Heute (und wir hoffen, dass es so bleibt) ist er wieder fit. Mit viel Rücksicht auf ihn wird er wieder geritten. Und neben dem Unterricht für Kinder hat er eine liebevolle Reitbeteiligung gefunden. Wenn eine erwachsene Person nur 40 Kilo wiegt, ist das eben perfekt für Bosse. Und wenn dieser Mensch den Bosse auch noch liebt, ist das fantastisch. Dafür Danke an Karo, die unser Team bereichert.
Anna-Katharina und Sophia-Marie bilden jetzt unsere Jungpferde aus. Aber Bosse ist für immer der

Weltbeste Bosse

SamweisBosse