Damirs Geschichte

Damir kam im Dezember 2015 zu uns. Er war neun Jahre alt und vor kurzem gelegt worden. Verkauft hatte man ihn als geländesicheres Freizeitpferd, auch für jugendliche Reiter geeignet.

Seine neue Besitzerin, mit der mich eine fast lebenslange Freundschaft verbindet, hatte den Darstellungen der Verkäuferin geglaubt. Vom Futterzustand abgesehen, machte das Pferd beim Ausprobieren einen gesunden Eindruck. Der Tierarzt bemängelte den Zustand des Pferdes in der Ankaufsuntersuchung nicht und erwähnte auch nicht die klar auffälligen Taktfehler, die ihm in der Begutachtung des Pferdes in engen Wendungen hätten auffallen müssen.

Wahrscheinlich war Damir zu diesem Zeitpunkt derart geschwächt und resigniert, dass er weder deutlichen Widerstand im Umgang leistete, noch Anteil an seiner Umwelt nahm.

Es ist aber auch durchaus möglich, dass er beim Probereiten unter Betäubungsmitteln stand.

Nach der AKU wurde Damir mit einer professionellen Spedition in sein neues Heim gebracht, einen privaten Hof mit der Möglichkeit, die Pferde ganztags auf der Wiese zu halten.

Die Probleme begannen unmittelbar. Damir verhielt sich ruhig und freundlich, solange er in der Box war. Sollte er jedoch die Box verlassen, nahm das Drama seinen Lauf. Er wurde sehr aufgeregt, schnappte und reagierte auf die Möglichkeit seine Freiheit auf der Wiese zu nutzen höchst eigenartig. Als meine Freundin mir am Telefon den Fall schilderte, war ich schon erstaunt über die Symptomatik von Damirs Störungen. Im Stall selbst war er ruhig und verschlang Unmengen an Heu. Sollte er nach draußen (unmittelbar ans Gebäude anschließende Wiesen), begann er kopflos zu rennen und warf sich zwischenzeitlich einfach auf den Boden. Das tat er auch auf dem geschotterten Untergrund direkt am Gebäude. Im Umgang war er schwierig und zunehmend aggressiv. Wahrscheinlich stieg sein Aggressionspegel proportional zu seinem Körpergewicht. Je mehr er an Futter und Kraft nachholte, desto kämpferischer wurde er.

Nach einigen Telefonaten und Versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen, beschlossen wir Damir zu uns nach Hasslinge zu holen.

Sein Umzug gestaltete sich nicht besonders problematisch. Wir benötigten zwar ziemlich viel Zeit, um das Pferd zu verladen, brachten ihn dann aber ohne Stress zu uns, wo er zunächst in einen Unterstand kam, mit kleinem Paddock davor und Pferdegesellschaft links und rechts von ihm.

Während des Verladens hatte Damir auf mich keinen guten Eindruck gemacht. Noch schwach und völlig unbemuskelt, hielt sein Widerstand sich in Grenzen, aber der lauernde Blick, der etwas Tückisches hatte, und seine Art, sich zu den Menschen hin zu drehen um sie nicht nur wegzudrängeln, sondern eine gute Position zum Austreten zu bekommen, waren unangenehm. Ich hatte sofort den Eindruck, dass wir hier einen Kämpfer stehen hatten, der trotz seiner Unterlegenheit dem Menschen den Krieg erklärte.

Vielleicht hat dieses Kämpferische in seinem Wesen Damir davor bewahrt in den Jahren zuvor in Resignation zu versinken.

Nun galt es zunächst, das Pferd aufzufüttern und eine Grunderziehung zu leisten. Auch sollte ihm der Offenstall helfen, sein phobisches Verhalten außerhalb von Gebäuden in den Griff zu bekommen. Er konnte sich zurückziehen und Stück für Stück ins Tageslicht gehen. Zu diesem Zeitpunkt war uns das gesamte Ausmaß seiner Störungen und Ängste noch nicht völlig klar.

In der Hoffnung, dass ihm freundliche Pferdegesellschaft helfen würde sich mit der Außenwelt anzufreunden, brachten wir Damir kurze Zeit nach seinem Einzug mit unserem sehr freundlichen Schulpferd Joey auf den Reitplatz, um dort ein wenig zu laufen. Wir hatten ihm gerade eine Paddockdecke besorgt, denn sein mattes Fell über dem hageren Körper schien uns nicht auszureichen um draußen mit der Witterung zurecht zu kommen.

Auf dem großen Reitplatz führten wir ihn noch einen Moment, nahmen dann die Decke ab, weil Damir bereits hektisch versuchte sich zu wälzen, und schauten was passieren würde.

Losgelassen, warf Damir sich immer wieder hin, ohne sich tatsächlich gründlich zu wälzen. Er rannte kurze Strecken und warf sich wieder hin. Dabei war es gleichgültig ob er sich in eine Pfütze warf oder auf Sand. Joey schlenderte herum, lief mal ein bisschen und schlenderte wieder. Wir standen in etwa in der Mitte des Platzes, als Damir plötzlich in seinem verrückten Hinwerfen innehielt und uns fixierte. Dann rannte er mit flach angelegten Ohren auf uns zu. Seine Absicht war klar und ich hatte nichts weiter zur Verfügung als seine Decke, und diese warf ich nach ihm, als er kurz vor uns war. Er erschrak und drehte ab. Wir zogen es vor zunächst an den Rand zu gehen.

Damir beruhigte sich nicht. Unansprechbar und nicht im geringsten an Joey interessiert, rannte er hin und her und schmiss sich wieder und wieder hin. Es war ein merkwürdiges Gefühl ihm dabei zuzusehen. Er war so sehr in seinem Muster gefangen, dass ihn nichts erreichte. Schließlich konnten wir ihn irgendwann einfangen und brachten ihn zurück. Kaum war er unter seinem Dach, schaltete das Gehirn wieder auf „Anwesend“ und wir konnten ihn eindecken und zur Ruhe kommen lassen.

Diese erste Erfahrung mit dem Ausmaß seiner Störung wies uns den Weg. Ich beschloss zunächst nur in engem Kontakt und in seinen Wohlfühlbereichen zu arbeiten. Das hieß:

– Kontrolliertes Führen in der Reithalle,

– Gehorsam in der Führposition sowie

– Ausweichen auf Zeichen.

Dazu kam das Stehen üben am Putzplatz. Dort benahm er sich vollkommen verrückt: Er scharrte wie verrückt und warf sich mit aller 3Kraft gegen den Anbindebalken um sich zu scheuern. Das tat er ohne Unterlass.

Diese erste Zeit mit Damir war einem Kriegszustand nicht unähnlich. Wir begegneten uns im Kampf, denn Damirs einziges Ziel war es, mich zu beißen oder besser noch : Zu Boden zu werfen . Er lauerte auf seine Chance, er versuchte es immer wieder.

Nach dem Grundprinzip, dass körperliche Arbeit ausgeglichener macht, und weil Damirs Muskulatur stark zurückgebildet war, begann ich parallel zur Erziehung ihn zu longieren. Hier zeigte sich der erste Schimmer am Horizont. Damir war wesentlich entspannter, wenn er gearbeitet hatte. Beinahe konnte man es gesprächsbereit nennen.

Mit diesem Ansatz machte ich weiter und nutzte die Chance, ihn loben und anfassen zu können, wenn er ausgetobt und ruhiger war. Und hier sah ich zum ersten Mal einen anderen Teil seines Wesens: Damir begeisterte sich für seine Arbeit. Seine Bewegungen waren steif und verkümmert, und doch wollte er sich bewegen.

Er misstraute allen Menschen zutiefst, und doch wollte er eine Aufgabe haben und gelobt werden. Er genoss es etwas zu leisten. Ich hatte einen ersten Ansatz gefunden zu ihm durchzudringen. .

Damirs weitere Entwicklung ging trotz erster Verbesserungen sehr langsam vor sich. Noch konnte man nicht von Vertrauen sprechen, eher von einem scheuen Versuch sich ein wenig anzunähern.

Ich war mir stets bewusst, dass ich ihn im Auge behalten musste, um schnell reagieren zu können. Kleinigkeiten konnten seine Wut entfachen. Zum Beispiel war es für Damir eine Provokation, wenn ich ihn rückwärts oder seitwärts weichen ließ. Seine Art, ähnlich kämpfenden Hengsten, sich auf die Karpalgelenke fallen zu lassen um mir in die Beine zu beißen, mich zu Fall zu bringen, war nervenaufreibend. Ich hätte ungerne erlebt, dass ihm dieses Manöver gelungen wäre.

Andererseits waren es gerade diese Situationen, die uns weiter brachten. Verwies ich ihn mit Übungen zum Ausweichen auf seinen Platz, glühte er sozusagen innerlich vor Wut. Aber sobald er meiner Aufforderung folgte und dafür bewusst deutlich gelobt worden war, entspannte er sich sichtlich. Zunächst blieb es bei dieser Kommunikation.

Ich holte ihn zur Arbeit, verlangte das korrekte Gehen an der Hand, das Erdulden des Putzens, das Einfügen in die Bodenarbeit/Arbeit an der Longe und dann auch unter dem Sattel, und Damir begann kämpfend und beendete seine Arbeit mit einer Ruhe, ähnlich der nachdenklichen Stille nach einem heftigen Streit.

Damirs Arbeitsprogramm erster Teil:

– Die Arbeit mit ihm begann im Moment des Aufhalfterns.

– Eine Alltagssituation war und ist bereits Bestandteil des Trainings.

– Ruhiger Umgang ohne „Bestechung“, aber mit unmittelbaren Stimm- und Futterlob.

– Führen zum Putzplatz aus Sicherheitsgründen bereits mit Gerte.

– Sofortiges Halten und Rückwärtsrichten bei Ansätzen zum Überholen oder seitlichem Drängeln.

– Sicheres zweiseitiges Anbinden.

– Möglichst Ignorieren der Muster am Putzplatz, lediglich Zubehör zur gewünschten Arbeit anlegen. (Gurt, Körperband, Springglocken, weil er sich in die Ballen trat)

– Longieren (Damir startete oft unvermittelt durch, trat sich dabei selber, stürzte häufig)

– Bei gelungener Arbeit in Ruhe: Lob und weiter mit:

– Führtraining. Gehen, Halten, Ausweichen seitlich, Ausweichen rückwärts. Gerte immer dabei, da Damir ausschließlich hiervor so etwas wie Respekt zeigte und davon abgehalten werden konnte, mich zu beißen.

– Bei korrektem Verhalten: Überschwängliches Lob, das bald schon erstes Interesse seinerseits weckte.

 

Er entwickelte sich auch körperlich nur in kleinen Schritten. Sein Verfall, die Unterernährung und der Muskelschwund waren so fortgeschritten, dass es nur langsam vorwärts ging. Dennoch sah man an der Longe, dass ein anderes Pferd hinter den verkümmerten Bewegungen steckte. Ich konnte ahnen, dass er Möglichkeiten besessen hatte, die über lange Zeit unterdrückt und zerstört worden waren.

Seine Taktfehler, ähnlich einer Lahmheit, linke Hand an der Longe bereiteten mir Sorge und seine Besitzerin ließ den Tierarzt kommen um die Ursachen abzuklären.

Zum Glück ging der Tierarzt von einer muskulär bedingten Bewegungsstörung aus und vermutete keine Erkrankung oder bedenkliche Schädigung.

(Unser Tierarzt zeigte sich von seiner besten Seite und trug es mit Humor, dass es der Untersuchung eines Tigers gleichkam, mit Damir eine Beugeprobe zu machen.)

Damir wurde nun immerhin etwas ruhiger im Umgang, aber die bloße Anwesenheit einer ihm unbekannten Person regte ihn derart auf, dass er am Putzplatz wieder in seine hektischen Bewegungen und das heftige Scheuern zurückfiel.

Beim Reiten wurde er nervös und angespannt, wenn fremde Personen oder auch nur ein weiteres Pferd in der Halle waren.

Trotz seines körperlich schlechten Zustandes hatte ich das Reiten mit ins Programm genommen. Eigentlich war es zunächst nur ein kurzer Test gewesen, um zu sehen, was uns erwarten würde. War Damir beim Probereiten derart erschöpft oder unter Medikamenten gewesen, dass es möglich gewesen war ihn zu reiten? Oder war zumindest die Gewöhnung an den Reiter und dessen Hilfen irgendwann erfolgt?

Es zeigte sich sofort, dass Damir durch jene Schule gegangen war, die niemand einem Pferd antun würde, der etwas Respekt vor dem Lebewesen hat.

Damir lief hektisch kauend, mit hochgezogenen Lippen, durchgedrücktem Unterhals, weggedrücktem Rücken und gebundenem Gang. Im Schritt ging er ausschließlich zackelnden Pass.

Aber dennoch merkte ich in wenigen Minuten, dass er viel weniger Stress mit dem Menschen im Sattel hatte, als mit dem Menschen am Boden.

Er hörte mehr zu und nahm das Lob sichtbar an. Zudem war er nach der Arbeit viel zufriedener, beinahe milde gestimmt.

Ich nahm das Reiten in zunächst zehnminütigen Sequenzen hinzu und steigerte die Arbeit vorsichtig.

Immer noch geriet Damir unter Hochstress sobald man ihn aus der unmittelbaren Gebäudenähe wegführte, An Weidegang oder einen großen Auslauf war nicht zu denken.

Tatsächlich hatte er zunächst Schwierigkeiten, Gras als etwas Essbares zu identifizieren.

Stand er in seinem Paddock, schaute er zutiefst misstrauisch, wenn sich jemand näherte. Er war durchaus geneigt mal eben zuzuschnappen, wenn man nahe genug kam. Von anderen Pferden hielt er auch nicht viel. Von gleichgültig bis aggressiv offenbarten seine Reaktionen e Frustration und soziale Inkompetenz.

Um Damir muskulär zu unterstützen, wandte ich Tellington TTouches an, wie zum Beispiel:

Beinkreise und Schweifziehen, Rücken aufwölben und Dehnübungen im Stand.

Er zeigte sich außerordentlich mürrisch wenn er angefasst wurde. Sein Bauch war von vorne bis hinten „verbotenes Terrain“. Federleichte Berührungen gingen so gerade noch, ansonsten geriet er in äußerste Wut wenn man seinen Bauch anfasste.

Ähnlich heikel war es, ihn am Genick oder den Ohren anzufassen. Ich beschloss jedoch, das man mit Hartnäckigkeit und Leckerlies diese Schwierigkeiten überwinden müsse.

So übten wir also das Anfassen und touchen lassen, sowie das Anlegen und Abnehmen von Halfter und Trense.

Ich begann mit TTouches am Hals und Rücken bis zur Kruppe, und arbeitete mich sodann langsam zurück zu den Problemzonen: Genick und Bauch. Annäherung ist oft das bessere Ziel und dieses zu erreichen benötigt Zeit.

Wegen der Empfindlichkeit seiner Ohren trug Damir zunächst nur seitlich zu verschnallende Halfter.

Besonders schwierig war es ihn aufzuhalftern, wenn es geregnet hatte und die Ohren nass waren. Ich ging dazu über ihm bei Regenwetter das Halfter aufzulassen,. Das ersparte uns Stress.

Was wir benötigten war Zeit. Damir entwickelte sich, wurde kräftiger und hatte gute Momente, in denen die Ohren vorne standen und der Blick weich wurde statt tückisch.

Er wurde durchlässiger unter dem Sattel, allerdings blieben seine Rittigkeitsprobleme eine Herausforderung.

Damir hatte einen ausgeprägten Unterhals und trat zudem überhaupt nicht ans Gebiss heran. Er rollte sich auf oder hob den Kopf, ähnlich einer Gazelle auf der Flucht. Er kaute hektisch, zog die Lippen zurück, drückte den Rücken weg und reagierte auf jede Hilfengebung mit Stress und Gezackel.

Dennoch machte es Spaß ihn zu reiten. Es waren natürlich die kleinen Fortschritte, die uns beide motivierten. Aber es war noch etwas anderes. So garstig sich Damir vom Boden auch zeigte, er hatte Spaß daran zu arbeiten. Trotz aller negativen Erfahrungen, brachte er sich ein, bemühte sich und war bereit Leistung zu erbringen. Waren wir dann fertig und ich stieg ab und lobte ihn begeistert, dann war er für einen kurzen Zeitraum wie ausgewechselt. Der Blick zufrieden, bereit sich streicheln zu lassen. Die ständige innere Spannung löste sich.

Er brauchte Arbeit um sich wohl zu fühlen. Er musste nur noch verstehen, dass nichts Schmerzhaftes mehr geschehen würde.

Die Anlehnungsprobleme wiesen darauf hin, dass er mit stark rückwärts wirkender Hand und wahrscheinlich scharfen Gebissen geritten worden war. Ich überlegte, ob es nicht Sinn ergeben würde, zunächst gebisslos zu reiten. Da Damir durchaus temperamentvoll war und seine Arbeit gern durch plötzliche Sprints mit munteren Sprüngen auflockerte, nahm ich ein Bosal statt Sidepull um noch etwas Einwirkung für den Notfall zu haben.

Dieses Projekt scheiterte umgehend. Am Halfter geführt, reagierte Damir schnell und sensibel. Mit dem ersten sanften Impuls durch das Bosal geriet er in Panik. Ich nahm es sofort wieder ab und beruhigte ihn. Ich nehme an, dass er in Spanien eine scharfe, schmerzhafte Einwirkung über den Nasenrücken erfahren hatte und sofort in seine alte Abwehrhaltung zurückfiel.

Unterdessen hatte ich auch die Frage des Sattels nochmals überdacht. Begonnen hatte ich mit einem Euroriding Jade, vom Sattler angepasst. Nun veränderte sich Damir jedoch sehr intensiv und außerdem fiel es ihm schwer seinen Bauch anzuheben und den Rücken aufzuwölben. Das lag sicherlich an seiner Steifheit und den Spannungen, aber ich beschloss dennoch, es mit einem Lederbaumsattel der Firma Hidalgo zu versuchen. Das Ergebnis war sehr gut. Damir lief entspannter und begann den Rücken etwas anzuheben.

Die gymnastizierende Arbeit:

– An der Longe mit Halfter in großen Linien mit viel „Geradeaus“ zur Findung der Balance

des Taktes.

– Stangen machten ihm Stress, den wir zu diesem Zeitpunkt nicht zusätzlich gebrauchen konnten.

– An der Longe mit Dreieckszügel, lang verschnallt um ihn in die Dehnung zu führen. Das nahm er gut an, hierbei entwickelte sich seine verkürzte Bewegung sehr positiv.

– Viele Tempounterschiede. Seitwärts vom Boden, aber mit Trense um ihm das Vertrauen in die Hand zurückzugeben und korrekt stellen zu können.

– Seitwärts vom Boden am Halfter mit wachsender Distanz zum Pferd, um ihm Signale und Körpersprache zu vermitteln. (Immer sehr aufmerksam, denn Distanz konnte auch einen aggressiven Schub begünstigen)-

– Rückwärts und Antreten im schnellen Wechsel zur Stärkung der Hinterhand.

Die Zeit lief. Angekommen war Damir Anfang Dezember 2015. Nun ging es in den Mai 2016 und unsere Fortschritte waren immerhin so, dass man seiner Besitzerin Hoffnung machen konnte, jemand geeigneten für Damir zu finden. Aber die Sache machte uns Sorgen. Damir hatte Angst und großen Stress bei jeder (!) Art von Veränderung. Den Paddock zu wechseln, zu viele Menschen um ihn herum, ein abweichender Tagesablauf: Alles verunsicherte ihn erneut und warf ihn zurück in sein gestörtes Verhalten.

Aber meine Freundin wusste bereits, dass sie mit Damir nicht zurecht kommen würde. Das passte nicht. Sie bezahlte ihm alles: Die Arbeit bei uns, den Tierarzt (Die Zähne waren gemacht worden), die erste Osteopathie usw. Aber wir mussten eine Lösung finden, das konnte so nicht endlos gehen.

Als tatsächlich einige Anrufe kamen, war mir äußerst unwohl zumute. Außerdem beschloss Damir, sich mir ein weiteres Stück zu öffnen. Er hielt nach mir Ausschau und fing an mir entgegen zu wiehern. Das war äußerst geschickt von ihm, denn nach dem harten Weg unserer Anfangszeit, wickelte er mich mit einem zarten Ansatz seiner Zuneigung flink und gründlich ein.

So kam es wie es kommen musste: Meine Freundin gab Damir die Chance noch einmal ein neues Leben in Ruhe und Sicherheit zu bekommen, ungeachtet der finanziellen Verluste. Und ich übernahm einen übellaunigen ,verrittenen PRE, obwohl ich genug damit zu tun hatte meine Arbeit und mein eigenes Pferd unterzubringen. Aber es ging nicht anders. Diesen vorsichtigen Anfang, den Damir gerade machte, sein erstes Angebot noch einmal jemanden zu vertrauen, das konnten wir nicht aufs Spiel setzen.

Ich ergänzte nun meine weitere Arbeit durch gelegentliche Unterstützung unserer Osteopathin. Von Mal zu Mal ging es besser und Damir fiel uns nicht mehr an. Wir deckten immer neue Probleme auf. Brennpunkte waren Genick und Hals, Schultern und Bauch. Erstaunlicherweise wurde sein Rücken immer besser (Schmerzfrei) obwohl er ihn nicht gut mobilisieren konnte. Die Empfindlichkeit am Bauch rührte zum Teil von einer höchst stümperhaft ausgeführten Kastration her. Immerhin war Damir da bereits neun Jahre alt gewesen. Man hatte ihn mal eben vor dem Weiterverkauf in Deutschland legen lassen.

Ich setzte meine Übungen aus der Tellington Arbeit fort.

Das Beine kreisen lockerte ihn, insbesondere seine Schultern, die sehr verspannt waren. Es sollte noch lange dauern (ein weiteres Jahr) bis er zu seinem natürlichen Raumgriff finden würde. Die Übung zum Schulter lösen fand er nicht sehr witzig, aber sie half ihm. Diese Übung ist invasiver als die sonst sanften und bewusstseinsfördernden TTouches. Ich wandte sie nicht zu oft an, aber sie half Damir gut.

TTouches am Hals mochte er, und ich konnte mich darüber seinem noch immer empfindlichen Genick annähern.

Damir war taktil äußerst empfindlich und ich wollte keinesfalls provokativ arbeiten.

So wählte ich bevorzugt wärmende, entspannende Touches und zollte seiner Empfindlichkeit auch beim Putzen Respekt. Bis heute nutze ich den Gummistriegel nur bei hoffnungsloser Verschmutzung. Ansonsten kommen Damir und ich mit einer weichen Kardätsche aus.

Am meisten Freude hatte Damir bei der täglichen Arbeit. Er liebte es sich zu bewegen, es sei denn ich kam auf so blöde Ideen, wie Stangenarbeit… Immerhin konnte ich ihm nun auch einmal Stangen zumuten. Und er lernte, die Trabstangen nicht als komplettes Hindernis zu betrachten. Noch lange sollte es dabei bleiben, dass wir zwei in der Reithalle unsere Arbeit taten. Draußen zu sein war eine große Herausforderung für Damir. Wenn ich ihn führte, stieg seine Aufregung mit jedem Schritt den er sich von den Gebäuden entfernte. Ließ ich ihn im Roundpen oder auf der Weide/dem Reitplatz laufen, eskalierte die Situation. Er begann hektisch und verspannt hin und her zu rennen und warf sich immer wieder auf den Boden. Im ungünstigsten Falle entschwand er durch geschlossene Tore in den sicheren Stall.

Erst nach einem weiteren Jahr, im Sommer 2017 war er so weit in sich gefestigt und so sehr „bei mir“ , dass ich ihn auf dem Reitplatz reiten konnte.

Interessant blieb: Reiten war okay, er hörte auf meine Stimme, blieb an meinen Hilfen.

Führen war okay, wenn ich dicht bei ihm blieb.

Longieren bedeutete schon Stress und frei laufen lassen war noch immer sinnlos. Dann kam der ganze Stress wieder hoch und Damir rannte und warf sich zu Boden.

Dieses Problem haben wir bis heute (2018) nicht gelöst. Alleine (Auch mit Pferden) gerät er in Stress. Aber unter dem Sattel und an der Hand wird er immer besser. So soll er diese Sicherheit bekommen solange er sie benötigt. Wer kann schon ermessen, wie lange er eingesperrt war um in den anfänglichen körperlichen Zustand zu geraten? Wer weiß schon, was seine panischen Reaktionen auslöst? Wichtig ist zunächst nur, dass er sich in seinen Bereichen (Paddock in Gebäudenähe und Box) wohl fühlt. Und, dass er mit seiner Vertrauensperson (und neuerdings auch mit weiteren Menschen) bereit ist sich ein bisschen weiter in die beängstigende Welt zu trauen.

Nachdem Damir körperlich wieder etwas Substanz gewonnen hatte, erwachte sein Temperament erst in vollen Zügen. Hatte man anfangs noch annehmen können, er wäre recht nervenstark, zeigte sich, dass das zumindest nur teilweise zutraf. Eher konnte man nun vermuten, dass er schlicht zu erschöpft und apathisch gewesen war um sich über die Dinge aufzuregen. Während der Arbeit in der Reithalle nutzte er gerne die Gelegenheit und schoss in munteren Sprüngen durch die Bahn, wenn er draußen ein Rascheln hörte, oder meinte durch die Windschutznetze einen Geist zu bemerken.

Wurde der Trecker in Gang gesetzt um Silage zu holen, führte das zu einer neuen Art der Bewegung, am ehesten zu beschreiben als „seitwärts angelegte Kapriole“.

Auch das Geräusch einer Schubkarre oder die bloße Anwesenheit eines weiteren Pferdes in der Bahn beflügelten ihn.

Da es dennoch immer möglich war, ihn über den Sitz und einen gefühlvollen Zügel wieder „zurück“ zu bekommen, freute es mich trotz seiner Eskapaden, dass er so kräftig und munter wurde. Reiterlich blieben seine ungünstig ausgeprägte Unterhalsmuskulatur, sowie sein etwas langer und wenig mobiler Rücken eine Herausforderung.

Ich arbeitete zunächst konsequent an der Dehnungshaltung. Es war klar, das Damir früher nur auf den Unterhals gestützt, nach rückwärts/aufwärts „gezogen“ worden war. Er hatte keinerlei Zutrauen zur Hand, lief auf der Vorhand und unterstützte sich auch in Wendungen nicht von hinten.

Er lief anfangs extrem schief, auf beiden Händen traversartig und verwarf sich linke Hand stark. Dazu kam sein übermäßiges „Stresskauen“ mit offenem Maul.

Über lange Zeit konnte ich lediglich erreichen, dass er sich nicht nach oben drückte, sondern zumindest in tiefer Position, aber meist hinter dem Zügel ging.

Schenkelweichen kreuz und quer durch die Bahn brachte uns am besten weiter. Bei dieser Übung begann er reeller zu kauen und sich in Ansätzen an die Hand zu dehnen. Außerdem dehnte das ganze Seitwärtsreiten ihn seitlich und mobilisierte sowohl Hinterhand wie auch seine Schultern.

Wir arbeiteten also seitwärts in Schritt und Trab, und vorwärts – abwärts in energischem frischen Tempo an die vorgehende Hand heran. Und das machten wir, unterstützt durch Longenarbeit, über Monate hinweg.

Das Longieren half ihm enorm. Ob mit Halfter, oder mit lang verschnalltem Dreieckszügel, Damir marschierte zunehmend locker in der Halle herum. Ich lief bei dieser Arbeit viel mit, variierte die Zirkelgröße und ließ ihn immer wieder über die langen Seiten zulegen. Ab und an bekam er seine „Jetzt gebe ich Gas“ Anfälle. Im ersten Jahr musste dann einige Male der Hufschmied kommen, weil Damir wie ein Hase durchgestartet war und sich die Eisen abtrat.

Mit zunehmender Lastaufnahme von hinten und verbessertem Gangbild, geschah so etwas nur noch sehr, sehr selten.

Ich hatte zwischenzeitlich versucht ihn wieder barhuf zu stellen, aber seine Hufpflege war so vernachlässigt worden wie er selber und die Stellung nur begrenzt zu korrigieren. Das war keinesfalls bedenklich, der Schmied war zufrieden mit der Entwicklung, und ich auch. Aber ohne Eisen ging Damir wieder gebundener, als traue er sich nicht so richtig zuzutreten. Das fand ich nicht sinnvoll und beließ es bei den Eisen vorne.

Im Verlauf des Jahres 2017 konnte ich schließlich die Arbeit anders gestalten. Zum Schenkelweichen kam das Schulterherein hinzu. Rückwärts richten und daraus direkt antreten lassen war eine gute Übung. Der Galopp war Damirs Lieblingsgangart, und das nicht nur wegen des Spaßfaktors der Schnelligkeit… Er konnte sich im Galopp besser tragen und immer mehr auch biegen. Zu spüren, wie er geschickter wurde, machte nicht nur mir Freude. Es begeisterte Damir selber am meisten. Er wollte gerne gefallen. Er wollte gut sein und gelobt werden. Das ganze Pferd veränderte sich. Wenn ich in der Halle ein anderes Pferd ritt und es lobte, konnte ich durch die Netze sehen, wie Damir den Kopf hob und lauschte. Sein mürrisches „Ich“ war noch da und verkündete Besuchern, dass er keine besonders hohe Meinung von der Menschheit hatte. Aber da war noch eine andere Seite: Ein waches Pferd, bereit alles zu geben aus Freude an der eigenen Bewegung und der gemeinsamen Arbeit.

Ich nutzte seine Freude am Galopp und nahm den Außengalopp hinzu, der schnell zur Schlüssellektion neben den Seitengängen wurde. Im Außengalopp schaffte Damir es, sich geradegerichtet zu tragen und das Genick zu öffnen. Das gab mir Auftrieb. Aus dieser Lektion entwickelte sich auch sein Verständnis für die Hilfen zum Travers und schnell ließ er sich ein wenig durch die Bahn verschieben. Ich nutzte das mehr als gelegentliches „Bonbon“ für ihn, denn er liebte es auch mal etwas kniffliges zu versuchen und dafür gelobt zu werden. Grundsätzlich benötigten wir eigentlich noch viel mehr Fundament in der Ausbildung. Denn wenn Anlehnung und Losgelassenheit noch unsichere Gäste sind, kann man keine korrekten Lektionen erarbeiten. Andersherum helfen oft gerade Lektionen wie Schulterherein und Außengalopp um das Pferd gerade zu richten und an der Durchlässigkeit zu arbeiten. Hier ist der Reiter gefragt, der täglich neu entscheiden muss, was seinem Pferd hilft und wo es noch mehr Zeit benötigt.

Mit dieser Arbeit ging das zweite Jahr mit Damir schnell seinem Ende zu. Der Sommer 2017 hatte uns ein gutes Stück voran gebracht. Damir war sehr viel ausgeglichener, zumindest in seinem vertrauten Umfeld. Es störte ihn nicht mehr, wenn fremde Menschen kamen und ihn sogar anfassten. Er war neugieriger, aufgeschlossener und entspannter. Immer noch war es ihm unangenehm, wenn Bauch oder Brust gebürstet wurden, aber er fiel mich nicht mehr an, sondern duldete es mit Unwillen. Zum Schmied zu gehen war völlig entspannt und seine Osteopathin, die ihn gelegentlich mit Akupunktur behandelte, war begeistert von seiner Entwicklung. Immerhin hatte er bei der ersten Behandlung versucht uns beide umzubringen, und jetzt stand er ruhig und akzeptierte es genadelt zu werden.

Ich setzte Damir für einige Einzelstunden mit fortgeschrittenen Reitern ein. Er ist ein super Lehrpferd, da er trotz eigener Problematiken sehr sensibel reagiert und vom Reiter fordert, beinahe nur über den Sitz einzuwirken. Sobald die Hilfengebung aus der Hand dominiert, verkriecht er sich vollständig hinter dem Zügel, denn das Herandehnen ans Gebiss ist ja sein großes Thema. Auch fordert er einen präzisen elastischen Sitz mit ruhigem Schenkel. So spiegelt Damir seinem Reiter unverzüglich wieder, was gut und was ungenau oder angespannt eingesetzt wird. Dafür belohnt er es dann, wenn man es hinbekommt sich in ihn hineinzufühlen. Er arbeitet dann mit großer Hingabe und feinen Reaktionen. Seine Eskapaden wurden weniger. Er startete nur noch selten durch, wenn er eine Maus hinter der Bande vermutete. Und tat er es doch, so konnte man ihn über weiche Paraden beinahe spielerisch zurückholen. Das ist es wahrscheinlich, was die Faszination in der Arbeit mit ihm ausmacht. Das Leichte, das Spielerische. Damir hat Freude an seiner eigenen Bewegung und schenkt es dem Menschen, der mit ihm umgeht, diese Freude gemeinsam zu erleben.

Trotz all dieser schönen Dinge, die sich in den zwei Jahren seiner Erholung und Rückkehr in ein normales Leben ereigneten, blieben jedoch zwei Probleme für mich bestehen. Ich hatte im Grunde gar nicht die Zeit, zwei Pferden gerecht zu werden. Aber mein Friese „Sam“ forderte mit zunehmendem Erwachsenwerden ebenfalls meinen Einsatz.

Und ich musste akzeptieren, dass Damir zwar wunderbar war und sich stets entwickelte, jedoch von Gebäude und Veranlagung nicht unbedingt für eine sehr anspruchsvolle Ausbildung geeignet war.

Noch war es unklar bis wohin wir beide kommen würden, aber einige Grenzen zeichneten sich ab.

So überlegte ich Ende 2017 noch einmal einen Verkauf ins Auge zu fassen. Weniger weil ich das wollte, mehr aus der zeitlichen Not heraus.

Mit einem offenem Bericht über Damirs Hintergründe und Bedürfnisse versuchte ich, einen Platz für den Rest seines Lebens zu finden. Nun geschahen zwei Dinge: Es gab nicht viele Interessenten, und die, die es gab, sprangen mit verschiedenen Argumenten ab. Die eigentliche Aussage war aber, dass sie Damirs Bedürfnisse und auch seine noch immer währende Angst vor freien Plätzen zu schwierig fanden. Das ist auch verständlich.

Außerdem bemerkte ich in dieser Zeit, dass seine Rittigkeit nachließ, er sich vermehrt verwarf und oft „klemmte“ . Ich erklärte mir dies damit, dass ich eben zu wenig Zeit für ihn hatte und er in den letzten Wochen zu viel nur im Paddock gestanden hatte.

Dann aber kam ich eines morgens (es war inzwischen schon Winter) zum Füttern, und da stand mein armes Pferd und konnte den Hals nicht mehr bewegen. Es ging gar nichts mehr. Nicht nach unten und nicht zur Seite. Ich rief den Tierarzt an, aber wir beschlossen dann telefonisch, dass dies ein Fall für unsere Osteopathin sei.

Zu Damirs Glück nahm diese sich die Zeit und kam sofort. Damir wurde ausführlich osteopathisch behandelt und akupunktiert. Im Anschluss war er wieder so beweglich, dass er sein Heu vom Boden fressen konnte. Er hatte sich den dritten und vierten Halswirbel blockiert.

Ich sollte ihn einige Tage massieren (oder Ttouchen) und am Halfter longieren. Zusätzlich bekam er ein Schmerzmittel, damit er sich nicht weiter verspannte. Linksseitig war seine untere Halsmuskulatur fest verspannt und schmerzhaft.

Bereits am folgernden Tag wusste ich, warum Damir in den letzten Wochen im Training nicht 100prozentig hatte mitmachen können. Mag sein, dass mein Zeitmangel und das reduzierte Training die Sache negativ begünstigt hatten. Fakt war, dass die Taktfehler linke Hand an der Longe weg waren. Wir hatten ein Problem aufgespürt, das die ganze Zeit da gewesen war. Indem Damir lockerer und beweglicher geworden war, hatte er seine falsche Stabilität verloren und derart einer Stütze beraubt, waren die tief sitzenden Blockaden in seiner Halswirbelsäule akut zu einem heftigen Problem geworden.

Damirs veränderte Haltung hatte etwas in den Vordergrund gelangen lassen, was zu lösen uns ein gutes Stück weiter bringen sollte.

In den nächsten Wochen gelang es mir mehr und mehr, Damir reeller über den Rücken zu reiten.Der Rücken arbeitete lockerer mit und,obwohl die linke Seite weiterhin schwierig blieb, so hatten wir doch endlich einen großen Schritt nach vorn getan. Therapeutisch wie auch reiterlich haben wir immer noch vieles vor uns, was gelöst, verbessert und verfeinert werden kann. Aber wenn ich heute auf meinem blanken kräftigen Spanier über den großen Außenplatz galoppiere und seine Freude am Leben spüre, seine Hingabe an unsere Arbeit, dann weiß ich, dass Monate und Jahre der Arbeit nichts bedeuten für das, was uns unsere Pferde zurückgeben.

Wenn er entspannt neben mir auf der Wiese steht, oder an das Gatter des Paddocks getrabt kommt, weil er weiß dass ich ihn zur Arbeit hole. Dann sehe ich manchmal noch den unterernährten, verwahrlosten, kümmerlichen Kerl, der um sich biss und vor Stress und Wut nicht zur Ruhe kam.

Sehe noch seine zackelnden Bewegungen, ähnlich denen eines alten, geschwächten Shetlandponys, und kann seine Hilflosigkeit und Ohnmacht spüren, mit der er den Menschen neun Jahre seines Lebens ausgeliefert war. Bis an einem glücklichen Tag meine beste Freundin Beate ihn ahnungslos kaufte und dann vollkommen selbstlos dafür sorgte, dass er eine Chance bekam.

Dass wir diese Chance nutzen durften, dafür bedanken Damir und ich uns an dieser Stelle von ganzen Herzen.

Mir ist immer noch nicht klar, wie ich es schaffen soll zwei anspruchsvollen Pferden täglich gerecht zu werden. Aber gerade bin ich froh, dass er noch hier ist und weiter lernen kann. Wer weiß, vielleicht begegnet uns der eine Mensch, der einfach vollkommen zu ihm passt und ihm ein zu Hause geben möchte. Und wenn nicht?

Nun ja, dann bleibt er wohl bei uns.

SamweisDamirs Geschichte