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Joey in Action

Beim letzten offenen Training zeigte sich Joey bei der Ausgleichsarbeit. Von Beruf Schulpferd möchte er eine besonders gute Unterstützung seiner Gesundheit und seines Trainings haben, um seinen Job motiviert zu erledigen. Dieses Mal wurde er von Sophia in der Westernarbeit vorgestellt, sowie auch in der Arbeit mit dem Halsring. Halsringreiten ist für seine Schüler eine super Möglichkeit, Einwirkung aus dem Sitz zu erlernen.

Wenn ihr mehr über das offene Training erfahren wollt, könnt ihr hier vorbeischauen.

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Peret – Ein arabisches Märchen(..pferd)

Peret kam zweijährig zu uns, ein großer Junghengst mit viel Bewegung und Ausstrahlung. Er verbrachte eine lange Jugendzeit mit Freigang und Bodenarbeit. Peret brauchte einfach Zeit zum wachsen. Kurz vor Perets fünften Geburtstag (der auf Heiligabend fällt), haben wir ihn das erste Mal an Sattel und Reitergewicht gewöhnt. Gut vorbereitet durch die TTeam-Arbeit war er zwar ein bisschen nervös, aber sehr artig. Was uns frühzeitig auffiel war, dass Peret eine lange Lösungsphase benötigte, um sich unter dem Reiter locker bewegen zu können. Er neigte zum passartigen Gehen und zu hoher Spannung beim Antraben. Nichts desto trotz arbeiteten wir zunächst e1ntspannt weiter und Peret entwickelte sich gut. Hier sieht man ihn mit Anna bereits entspannt bei der Arbeit. Wenn man ihn ohne Reiter longierte, neigte Peret dazu, in den Kreuzgalopp zu fallen und insbesondere auf der rechten Hand nach außen zu schauen. Viel später fügten sich alle Teile zu einem Bild zusammen. Zunächst mussten wir feststellen, dass in der Ausbildung unerklärbare Rückschritte stattfanden. Die Spannung zu Anfang einer Trainingseinheit schien mehr statt weniger zu werden, oft hatten wir das Gefühl es fehlt nicht viel und er würde sein Heil in der Flucht suchen. Eines Tages tat er das dann auch. Obwohl er bereits warmgeritten war, ging er ohne ersichtlichen Grund heftig durch. Zuerst vermuteten wir Probleme durch den Sattel. Perets Sattellage war auch für einen erfahrenen Sattler eine wahre Herausforderung. Da alle gängigen Modelle auf seine Schulter drückten, versuchten wir es mit einem Barefoot-Sattel. Das war aber eher kontraproduktiv, denn jetzt kristallisierte sich langsam heraus, dass das Problem eher weiter hinten in der Wirbelsäule liegen müsse. Die Diagnostik war hier allerdings für Tierarzt und Osteopath sehr schwierig. Die Schmerzen schienen die Stelle zu wechseln, sämtliche Therapieansätze schlugen fehl. Der Tierarzt zog in Erwägung, dass Perets Verhalten psychisch bedingt sein könnte. Ein erlerntes Muster, um sich der Arbeit zu entziehen beziehungsweise dem Schmerz, der in seiner Erinnerung verankert war. Das konnten wir nicht bestätigen, Peret war immer arbeitsbereit, motiviert und selbst unter Schmerzen bemüht, auf Anna-Katharinas Stimme und Hilfen zu hören. Eine ausführliche Akupunkturbehandlung brachte vorübergehend Besserung. Aber schon wenige Tage nach der letzten Behandlung fiel Peret in seine Schmerzhaftigkeit zurück, wie man gut auf seinem Rücken ertasten konnte.

Jetzt war das Problem jedoch eingegrenzt worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war Perets Kreuzdarmbeingelenk, durch seinen Körperbau bedingt, zu lose. Das hieß dass er bereits unter geringer Belastung (longieren ohne Reiter) Schmerzen bekam. Wir hielten Rücksprache mit einer größeren Pferdeklinik, die diese Annahme unseres Tierarztes bestätigte. Jetzt hatten wir zusätzlich die Sorge, ob Peret überhaupt schmerzfrei pferdegerecht leben könnte. Wir ließen ihn erneut akupunktieren, da das auf jeden Fall am Meisten geholfen hatte. Dann zog Peret in seine neue Unterkunft. Statt des bisherigen Offenstalles und zusätzlicher Bewegung in einem größeren Paddock oder an der Longe, gaben wir ihm einen Platz in einem Unterstand mit angrenzendem sehr langgezogenem Auslauf. Hier konnte er, anstatt im Kreis und von Ecke zu Ecke zu rennen, wie auf einer kleinen Galoppbahn hin und her schreiten oder mit vollem Tempo galoppieren. Zudem hat er nette Nachbarn, die er über den Zaun hinweg ärgern kann. Man kann bislang aber keinem Pferd zumuten mit Peret in einer WG zu wohnen. Peret meint dann jedes Mal, dass er als Weltbeherrscher den Kollegen scheuchen und tyrannisieren muss. Dieser Wohnkompromiss zeigt gute Erfolge. Entspannt und zufrieden verbringt er seine Zeit mit Essen, Laufen und Bodenarbeit. Nur Belastung ist nicht möglich. Aber Peret scheint das nicht zu stören….

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Bahir – Eine kleine Zwischenepisode (vor Gericht…)

Heute geht es um die abenteuerlichen Begleitumstände, die beim Kauf eines Pferdes entstehen können. Wer kennt sie nicht, die vielen wilden Geschichten über dubiose Händler und verantwortungslose Verkäufer. In Bahirs Fall war es unser Glück, dass die Bereiterin, die den Verkauf des Pferdes in Deutschland abwickeln sollte, betrügerische Absichten hegte.

Als wir auf eine Anzeige hin fuhren, um Bahir anzusehen, lernten wir eine sehr nette und offene Frau kennen. Sie gab sich als Besitzerin des Pferdes aus und erzählte uns, dass Bahir außerordentlich artig und lernwillig wäre, sie jedoch keine Zeit hätte, ihn anzureiten und ihn daher ungeritten und günstig abgäbe. Ihre 14jährige Tochter habe mit ihm Bodenarbeit gemacht und sei auch schon mit ihm spazieren gegangen. Bahir präsentierte sich freundlich, ein wenig zurückhaltend und temperamentvoll. Er gefiel uns so gut, dass wir ihn ohne weitere Umstände vorbehaltlich der Ankaufsuntersuchung kauften (diese wurde in Spanien bereits gemacht, wir ließen von unserem Tierarzt einiges überprüfen.). Auf einen schriftlichen Vertrag verzichteten wir auf Wunsch der Verkäuferin.

Wie sich Bahir in der ersten Zeit bei uns zu Hause zeigte, wisst ihr ja bereits.

Wir hatten jedoch zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran, dass Bahir ein fantastisches Pferd ist und sich bei genügend Geduld auch fantastisch entwickeln würde. Wir hatten das Pferd, wir hatten das Papier, und wir hätten ihn auch trotz eines Kaufvertrages in keinem Fall zurückgegeben.

Dann bekamen wir einen Anruf. Ein uns unbekannter Herr wollte gerne wissen, was wir für Bahir bezahlt hatten. Es stellte sich heraus, dass dieser Herr der eigentliche Eigentümer war und seine mit dem Verkauf beauftragte Bereiterin ihm einen falschen Verkaufspreis genannt hatte. Daher wollte sie auch keinen Vertrag abschließen, da sie ihn um eine nicht unerhebliche Summe betrogen hatte. Dieser ganze abenteuerliche Handel kam im Juli diesen Jahres vor Gericht. Bei dieser Gelegenheit lernten wir Bahirs Eigentümer auch persönlich kennen. Diese (sehr nette) Bekanntschaft führte zu einer weiteren erstaunlichen Enthüllung. Das „ungerittene Jungpferd“ war in Spanien bereits geritten worden und bei seiner deutschen Bereiterin ebenfalls. Dort muss dann so ziemlich alles schief gegangen sein. Was genau Bahir zugestoßen ist, werden wir wohl nie erfahren. Es ist davon auszugehen, dass das sehr empfindsame und nervöse Pferd Schwierigkeiten machte und dafür in tierschutzwidriger Form bestraft wurde.
Erschütternd für uns war vor allem, dass wir der Frau ein solches Verhalten niemals zugetraut hätten. Weder den Betrug noch die Misshandlung des Pferdes. Für Bahir und uns erwuchs aus einer traurigen Geschichte aber dennoch etwas Gutes. Wäre er artig unter dem Sattel gewesen, mit weniger Problemen und nciht so nervös, wäre er zu einem wesentlich höheren Preis angeboten worden und wir hätten ihn wahrscheinlich nicht gekauft.

So, und beim nächsten Mal könnt ihr weiterlesen, wie es jetzt mit der Ausbildung des angeblich ungerittenen, tatsächlich aber traumatisierten Pferdes weitergeht.

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SamweisBahir – Eine kleine Zwischenepisode (vor Gericht…)
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Ein trauriges Schicksal mit Happy End

Unser Spanier Damir kam im Dezember 2015 zur „Therapie“ zu uns. Er war erst vor kurzem aus Spanien nach Deutschland gekommen. Seine neue Besitzerin sah sich überfordert und gab das vollkommen verstörte Pferd mit Bitte um Hilfe an uns weiter.

Damir war stark unterernährt und völlig abgemuskelt. Er konnte sich nur in einem verspannten kurzem Trab bewegen, im hopsenden Galopp oder im Pass statt im Schritt.

Er biss nach Menschen, und das in heftiger und aggressiver Absicht. Er ertrug es nicht, freien Raum um sich zu haben. In größeren Ausläufen oder auf der Wiese geriet er in Stress, rannte hektisch auf und ab und warf sich ständig einfach hin. Letzteres ohne Rücksicht auf den Untergrund. Dazu kam, dass er trotz seiner 9 Jahre gerade erst kastriert worden war und das offenbar nicht sorgfältig, da die Wunde schlecht verheilt war und die Vernarbungen ihn immer noch zu schmerzen schienen.

Wollte man ihn beim Führen diszipliniert neben sich halten, ohne dass er drängelte, konnte es passieren, dass er einfach angriff.

Aus seinem Verhalten und Zustand konnte man leicht schließen, was für eine schreckliche Vergangenheit er gehabt haben muss. Wir denken, dass er lange Zeit in einer Box ohne Auslauf eingesperrt war und zu wenig Futter bekam.

Damir bekam zunächst einen Platz in einem Unterstand mit kleinem Auslauf. Hier konnte er in „sein Haus“ gehen, wo er sich offenbar am sichersten fühlte, oder sich vorsichtig nach draußen wagen, ohne sich aus Gebäudenähe begeben zu müssen.

Wir begannen mit Bodenarbeit, Longenarbeit und Benimm-Kurs beim Putzen. Wir hatten alle noch nie ein Pferd erlebt, das so hochaggressiv biss und gegen den Menschen kämpfte.

So war auch der erste Teil der Arbeit ein regelrechter Kampf. Wir fütterten Damir mit langsam steigenden Futterrationen. Anfangs war er körperlich nicht sehr belastbar. Schon 15-20 Minuten an der Longe, erschöpften ihn sehr. Alle Handlungen im Umgang waren der pure Stress. Auf – und Abhalftern Damir 1genauso wie das Anlegen der Trense. Putzen oder überhaupt Anfassen fand er unzumutbar.

Es benötigte unerschrockene Ruhe und Konsequenz im Umgang, um überhaupt etwas mit ihm zu erreichen. Band man ihn zum Putzen an, schmiss er sich gegen den Anbindebalken, scheuerte sich hektisch und scharrte wie verrückt.

 

Nach einer schonenden Aufbauphase konnten wir langsam anfangen, ihn zu reiten. Schon sein absinkender Rücken und der extreme Unterhals zeugten im Vorfeld davon, wie er geritten worden war. Dieses Bild bestätigte sich schnell. Damir lief hektisch, verspannt und mit aufgesperrtem Maul. Allerdings hatte er deutlich weniger Stress mit einem Menschen im Sattel als mit Menschen am Boden. Nach der körperlichen Arbeit war er deutlich entspannter und auch zugänglicher. Zu diesem Zeitpunkt gab diese Tatsache der Besitzerin noch Hoffnung auf einen späteren gemeinsamen Weg. Aber noch standen wir ganz am Anfang. Damir vertraute niemandem. Er wurde ansprechbarer, tolerierte nach und nach mehr Berührung, aber er war immer auf der Hut, stets bereit zum Angriff. Geringe Veränderungen im Ablauf brachten ihn völlig aus dem Konzept, er fiel dann sofort zurück in sein Angriffsverhalten. Zum Beispiel beim Besuch der netten Tierärztin, die ihn mit Akupunktur in seiner Entwicklung unterstützen sollte. Anlässlich dieses Besuches, reagierte er derart heftig, dass er mit aller Kraft versuchte, mir in die Beine zu beißen, um mich zu Fall zu bringen. Er rastete völlig aus, um uns Menschen zu entkommen. Um so schöner war es, dass sich eine Woche nach diesem Aussetzer die ersten, zarten Anzeichen der Veränderung bemerkbar machten. Damir begann, sehr sehr vorsichtig, sich auf seine vertrauten Personen (in diesem Fall am meisten Claudia) zu beziehen. Zwei Seelen wohnten in seiner Brust: Der kämpfende misstrauische Krieger und ein zutiefst verunsichertes Pferd, dessen Geschichte so schrecklich sein musste, dass es uns traurig machte, an all die Misshandlungen nur zu denken.

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Bald mehr zu einer ganz außergewöhnlichen Wandlung eines außergewöhnlichen Pferdes….

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SamweisEin trauriges Schicksal mit Happy End
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Wie aus Humphrey Black Beauty wurde..

Humphrey kam ca. siebenjährig zu uns. Sein erstes Jahr bei uns war das Schwierigste für alle. Er war sehr schwach bemuskelt und hatte keine gute Kondition, war jedoch in seinem Verhalten beim Reiten etwas unberechenbar.

Zunächst kamen wir auch kaum dazu, ihn körperlich aufzubauen, weil Humphrey ständig lahm war. Hatte er die eine Zerrung kuriert, trat die nächste auf. Sein großer, schwerer Körper hielt die Belastung nicht, wenn Humphrey wie ein Verrückter durch den Paddock buckelte. Der Tierarzt versprach Besserung, sobald das Pferd entsprechend bemuskelt sei, aber uns standen immer nur kurze Arbeitsphasen zur Verfügung, in denen Humphrey ausnahmsweise nicht krank war.

Nach einem Jahr hatten wir die schwierigste Krankheit zu überwinden: Einen Haarriss im knöchernen Teil des Kapalgelenks. Nach 8 Wochen stehen unter Beruhigungsmitteln ging es Humphrey zum Glück wieder gut und wir begannen das Training noch einmal von vorne. Zu seiner eigenen Sicherheit ließen wir ihn nur noch in einen 15×12 Meter großen Paddock, damit er nicht wieder mit zu viel Schwung herumspringen und sich erneut verletzen konnte. Jetzt trainierten wir langsam aufbauend täglich, unterstützt durch entsprechendes Kraft- und Zusatzfutter. Im Verlauf des weiteren Trainings sollten wir feststellen, das Humphrey nicht nur durch die langen Stehzeiten, sondern von Natur aus nur sehr schwer Muskulatur aufbaut. Er benötigt ein aufwendiges Trainingsprogramm. Bei gleicher Belastung zeigen andere Pferde in wesentlich kürzerer Zeit eine deutlich bessere körperliche Entwicklung. Ein anspruchsvolles Tier.

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Humphreys Problematik unter dem Sattel war vor allem seine sehr auffällige Schiefe von hinten rechts nach vorne links, sichtbar auch im Verwerfen des Genicks auf der rechten Hand. Zunächst war unser Ziel, die ersten drei Punkte der „Skala der Ausbildung“ sorgfältig zu erarbeiten: Takt, Anlehnung, Losgelassenheit. Auf Humphreys Trainingsplan standen viele Tempounterschiede und Übergänge. Dazu Außenstellung als Vorbereitung auf das Schulterherein. Arbeit an der Longe sowie Stangenarbeit und kleine Gymnastiksprünge. Die Arbeit im Gelände bot sich bei uns leider nicht an, da das Gelände hier aus Moor, tiefen Gräben und Stacheldrahtzäunen besteht. Keine guten Voraussetzungen für ein eher impulsives Pferd in seiner Größe. Außerdem kam Humphrey in den Genuss von TTouches und anderer Körperarbeit nach der Tellingtonmethode. Da er ein schlechtes Körpergefühl hatte, half ihm diese Arbeit sehr weiter. Humphrey schien zum Beispiel kaum wahrzunehmen, dass seiner Hinterbeine zu ihm gehören und reagierte auch schnell schreckhaft, wenn er etwas hinter sich wahrnahm. Die elastischen Körperbänder, um seine Hinterhand geführt, sorgten dafür, dass Humphrey sich besse.r aufnahm und seine Hanken vermehrt beugte. Alle Übungen, die das Kippen des Beckens sowie das Aufwölben des Rückens förderten, verbesserten sichtbar seine Beweglichkeit. Im gleichen Maße in dem seine Muskulatur und Kondition sich entwickelten, wurde seine innere Verfassung ausgeglichener.

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Humphrey war vom ersten Tag an ein Schmusepferd. Jetzt entwickelte er eine tiefe Freundschaft vor allem zu Sophia, wenn er auch seine Liebe zum Menschen an jeder Person durch inniges Ablecken demonstriert. Aufgrund seiner Anhänglichkeit und seines liebenswerten Wesens nennen wir ihn manchmal im Scherz Black Beauty. Auch wenn er nicht schwarz ist, ähnelt er diesem Pferd in manchen Situationen erstaunlich. Zum Glück können wir seit einem Jahr ohne Krankheiten mit Humphrey arbeiten. Inzwischen kann er auch über die Wiese springen, ohne sich dabei selber zu verletzen. Es geht voran.

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Bahirs Geschichte – Teil zwei

  Letztes Mal haben wir euch berichtet, wie wir mit Körperarbeit Bahir die Angst vor Berührungen nahmen. Ergänzend zur Körperarbeit begannen wir auch mit der Bodenarbeit (Führ-Übungen) und der Arbeit an der Longe. Folgende Probleme zeigten sich, wenn wir Bahir führten:

Er schnappte häufig nach der führenden Person, er versuchte zu überholen, er drängelte, beim Führen auf der rechten Seite geriet er gelegentlich in Panik. Offenbar versetzte ihn jede Situation in Angst und Stress, in der er glaubte, der Mensch könnte jetzt eine Anforderung an ihn stellen. Wenn man eine Gerte oder Peitsche so in die Hand nahm, wie man es normalerweise tut wenn man ein Pferd longieren möchte, also die Gerte in Richtung seiner Kruppe bewegte, scheute er heftig. Mit diesen Verhaltensweisen erzählte er uns viel über seine bisherigen Erfahrungen mit Menschen.

 

Um dem Schnappen vorzubeugeBahir Bodenarbeit 4n, führten wir ihn in einer kontrollierenden Position mit der rechten Hand dicht am Pferdekopf. So konnten wir Bahir gerade gerichtet halten. Wenn er dabei entspannt mitging, wurde er gelobt. Im Laufe der Zeit verlängerten wir den Führstrick für kurze Abschnitte und belohnten weiterhin das korrekte Verhalten, korrigierten ihn jedoch sofort, wenn er erneut versuchte zu beißen. Es dauerte lange, bis er dieses Verhaltensmuster veränderte.

Ein wirkliches Angstproblem zeigte Bahir uns beim Führen auf Distanz. Es konnte passieren dass er unvermittelt zurückscheute und versuchte wegzukommen. Ganz besonders wurde dies ausgelöst wenn man von der rechten Seite führte. Er hatte offensichtlich Angst davor geschlagen zu werden, riss plötzlich den Kopf hoch und sprang rückwärts. Es war nicht unmittelbar ersichtlich, was dieses Verhalten auslöste. Es schien mit Bewegungen des Menschen zusammenzuhängen, manchmal genügte auch ein Geräusch oder ein optischer Reiz von außen. Wir arbeiteten Bahir stets zuerst an der Longe, da er so genügend Abstand hatte um sich sicher zu fühlen. So konnte er sein Bewegungsbedürfnis stillen und erst einmal zur Ruhe kommen. Ging er von sich aus im ruhigen Schritt an der Longe, konnte man mit der eigentlichen Führarbeit beginnen. – in kurzen Sequenzen führten wir zunächst in der vertrauten Position dicht am Pferd, dann langsam die Distanz steigernd. Noch bevor Bahir panisch oder angstvoll reagieren konnte, hielten wir, belohnten ihn mit Stimme und teilweise auch Futter und machten die Übung „Kopf- und Halssenken“ um ihn zu entspannen.

Ein Schlüsselerlebnis erfuhren wir an einem Tag, an dem Claudia Bahir zur Bodenarbeit an der Hand holte. Bahir sollte links von der führenden Person gehen und auf Stimm- und Körpersignale hin anhalten. Diese Übung fiel ihm ohnehin schwer, da Anhalten und Stehen bleiben nicht seine Stärken sind. Er war unkonzentriert, nervös und unmotiviert. Bevor man die Arbeit überhaupt abbrechen konnte, um Bahir wieder zur Ruhe zu bringen, reagierte er plötzlich  mit einer hohen Aggressivität auf den Menschen. Anstatt wie sonst wegzuspringen beziehungsweise auszuweichen, legte er die Ohren an und versuchte, Claudia zu beißen. Es war ein klarer, aggressiver Angriff von ihm. Aber aus dieser extremen Situation ergab sich auch ein weiteres Puzzleteil von Bahirs komplexer Persönlichkeit für uns: Er hatte viele Ängste und Vertrauensstörungen mitgebracht, aber er war durchaus bereit, in Grenzsituationen aggressiv zu reagieren und mit Angriff statt Flucht zu reagieren. Ohne ihn noch weiter einzuschüchtern und seine Ängste zu bestätigen, mussten wir einen Weg finden, konstruktiv mit diesem Verhalten umzugehen. Denn ein aggressives Pferd bedeutet eine Gefahr für sich selbst und jeden, der damit umgehen soll. Uns schien aber auch eindeutig, das Bahir nur aus absoluter Überforderung so reagiert hatte und der Angriff ihm in dieser Situation anscheinend als „letzter Ausweg“ erschien.

Reagierte Bahir anstatt mit Angst und Flucht jedoch aggressiv und wandte sich mit angelegten Ohren drohend gegen die führende Person, korrigierten wir deutlich durch Rückwärtsrichten, gingen dann zurück in die Arbeit an der Longe und anschließend erneut in die Führarbeit. Dieses System zeigte schnelle und erhebliche Erfolge. Bahir begann, Vertrauen in ein klares, verständliches Trainingssystem zu fassen und nahm positiv Bezug auf seine Menschen. Hiermit war der erste Schritt zu einer wachsenden Beziehung zwischen Pferd und Mensch getan.

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Inzwischen ist Bahir beim Führen in Alltagssituationen und in seiner gewohnten Arbeit unauffällig. Trifft er auf veränderte Ansprüche, wie zum Beispiel Bodenarbeit mit Stangen oder Tierarztbesuche etc, fällt er noch häufig zurück in sein altes, unberechenbares Verhalten.

 

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Bahirs Geschichte – 1. Teil

Heute und in den nächsten Tagen wollen wir euch von Bahirs bisheriger Geschichte auf unserem Hof erzählen. Er kam 2015 als ungerittener Fünfjähriger zum Weiterverkauf aus Spanien nach Deutschland, ein Vierteljahr später im August zog er bei uns ein. Auf unserer Homepage haben wir ihn bereits kurz vorgestellt. Bahir und Damir, unsere beiden Spanier, haben eine erschütternde Geschichte, die wir hier dokumentieren möchten. Diese beiden stehen stellvertretend für unzählige Importpferde verschiedener Rassen, aber ebenso für jedes Pferd, dass eine lieblose oder angstbesetzte Vergangenheit hat.

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Ein Problem, dass uns schnell auffiel als er bei uns war, war Bahirs Angst davor am Kopf angefasst zu werden. Kam man mit der Hand in die Nähe seines Kopfes, vor allem von rechts, scheute er heftig zurück. Also ließ er sich auch nicht auf- und abhalftern indem man das Halfter über die Ohren zog. Besonders die Bewegung zum abhalftern fand er furchtbar. Wir tippen darauf, dass man ihm zu irgendeinem Zeitpunkt die Ohren verdreht hat, um ihn damit ruhig zu halten. Die erste praktische Lösung war, ein Halfter mit seitlicher Schnalle zu nutzen, um nicht jeden Tag in eine Stresssituation zu kommen. Um Bahir zu helfen, wollten wir die Tellington-Körperarbeit (T-Touches) nutzen. Es ergab allerdings keinen Sinn, ihn hierfür am Putzplatz anzubinden. Er geriet in so viel Stress, dass er anfing, mit angelegten Ohren um sich zu schnappen. Wenn nichts in seiner Reichweite war, biss er sich selbst in die Schulter. So wäre er nicht in der Lage gewesen, die TTouches positiv wahrzunehmen. Also bekam er ein Heunetz in seine Box, da das Herrausrupfen des Heus ihn sowohl beschäftigte als auch sein „Abwehrschnappen“ in eine andere Richtung kanalisierte. Wir haben dann begonnen, zunächst an für ihn angenehmen Stellen zu ttouchen. Anfangs war das lediglich der Hals. Da Bahir sich extrem berührungsempfindlich zeigte und es nicht ertrug, gebürstet zu werden, mussten die TTouches ganz leicht und sanft sein. Auf diese Art arbeiteten wir uns in Einheiten von ca 10 bis 15 Minuten vom Hals aus beginnend über den Körper bis zur Hinterhand und zu den Beinen vor. Den eigentlichen Problempunkt, Kopf und Ohren, ließen wir erst einmal außen vor. Der Erfolg stellte sich ein. Die kurzen Arbeitsphasen waren sinnvoll, da sich Bahirs Geduld selbst während er fraß schnell erschöpfte. Aber er begann, sich während der Körperarbeit zu entspannen, vergaß zwischendurch sogar zu essen und wandte dann den Kopf zum Menschen, als wolle er sehen und erfassen, was wir gerade mit ihm tun. Diese Phase einer ersten vertrauensbildenden Arbeit dauerte einige Wochen. Dann war es möglich mit sanften Berührungen vom Genick aus beginnend seine Ohren und seinen Kopf zu ttouchen. Beim Auf- und Abhalftern blieben wir jedoch noch immer bei der Variante das Halfer seitlich zu öffnen und belohnten Bahir durch ein Leckerli, wenn er einigermaßen ruhig dabei stehen blieb. Hier ging es darum, eine Handlung des Menschen, die das Pferd negativ abgespeichert hatte, durch positive Reize und Erfahrungen neu zu besetzen. Mittlerweile sind wir an einem Punkt, an dem Bahir sich von vertrauten Menschen (nicht von Fremden!) normal auf- und abhalften lässt, solange man es ruhig und bedacht macht. Das ist schon ein großer Erfolg für alle. Auch Putzen lässt er sich dank der T-Touches mittlerweile, allerdings duldet er es nur und genießt es (noch) nicht.

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SamweisBahirs Geschichte – 1. Teil
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Think out of the Box

Begleitet uns bei unserer Arbeit mit schwierigen, traumatisierten oder einfach nur unerfahrenen Pferden. Auf diesem Blog wollen wir zeigen, wie wir Pferde individuell und ihren Anlagen entsprechend fördern. Unsere Leitfrage in jeder Ausbildung ist: „Hast du schon mal dein Pferd gefragt was es werden will?“

Die Förderung der jeweiligen Veranlagung eines Pferdes steht im Vordergrund. Jedes Pferd ist eine Persönlichkeit und hat ein Recht darauf, als solche behandelt zu werden. Das heißt für die tägliche Arbeit, wir entwickeln die vorhandenen Talente optimal und versuchen nicht, aus einem Springpferd ein Reiningpferd zu machen und umgekehrt. Wir stecken unsere Pferde nicht in eine Schublade, sondern öffnen Horizonte.

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SamweisThink out of the Box
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